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Gesundheitswesen

28. Aug. 2026

Hallux valgus: Umgang mit familiärer Veranlagung

Viele Menschen sind besorgt über die Entwicklung eines Hallux valgus, insbesondere wenn Verwandte bereits betroffen sind und operiert werden mussten. Obwohl die genetische Veranlagung eine Rolle spielt, ist die Entwicklung eines Ballenzehs nicht unvermeidlich. Durch gezielte Prävention und die richtige Fußpflege kann man das Risiko erheblich minimieren und das Fortschreiten der Fehlstellung verlangsamen. Eine Expertin erklärt, wie man durch einfache Maßnahmen im Alltag seine Fußgesundheit aktiv schützen kann.

Der Hallux valgus, umgangssprachlich als Ballenzeh bekannt, ist eine weit verbreitete Fehlstellung des Fußes, bei der der große Zeh zur Fußaußenkante hin abweicht und der Ballen an der Innenseite deutlich hervortritt. Diese Verformung kann Schmerzen und Beschwerden verursachen und die Wahl geeigneter Schuhe erschweren. Es ist bekannt, dass diese Fehlstellung häufig in Familien auftritt, was die Sorge um eine eigene Erkrankung bei genetischer Vorbelastung verstärkt.

Die Sprunggelenk- und Fußchirurgin Mellany Galla aus Hannover betont, dass nicht der Hallux valgus selbst vererbt wird, sondern eine genetische Disposition, die seine Entstehung begünstigen kann. Dazu gehören Faktoren wie Bindegewebsschwäche, eine erhöhte Gelenkbeweglichkeit oder bestimmte Fußformen, wie der Spreizfuß. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Kinder von Betroffenen zwangsläufig ebenfalls einen Hallux valgus entwickeln werden. Laut Galla kann man der Entstehung "tatsächlich zu einem gewissen Maß vorbeugen".

Ein entscheidender Schritt zur Vorbeugung ist das konsequente Tragen von gut sitzenden, flachen Schuhen, die dem Vorderfuß ausreichend Platz bieten. Dies reduziert den Druck auf die Zehen und den Fußballen und beugt Fehlbelastungen vor. Das regelmäßige Barfußlaufen auf unterschiedlichen Untergründen, wie Sand oder Gras, ist ebenfalls äußerst vorteilhaft. Es stärkt die Muskulatur des Fußes und kann das Risiko für einen Hallux valgus mindern.

Bei bereits bestehenden Fußfehlstellungen, wie einem Spreizfuß, können orthopädische Einlagen Linderung verschaffen. Obwohl sie die Entstehung eines Hallux valgus nicht gänzlich verhindern können, tragen sie dazu bei, Beschwerden wie Schmerzen zu reduzieren und den Fuß zu unterstützen. Zusätzlich empfiehlt Mellany Galla regelmäßige kräftigende Fußübungen, besonders für Personen mit familiärer Vorbelastung. In ihrem Buch "Die einfachsten Fußübungen aller Zeiten" stellt sie gemeinsam mit Physiotherapeut Arndt Fengler eine Übung vor, die gezielt den Großzehenspreizer trainiert.

Diese Übung kann sowohl im Sitzen als auch im Stehen durchgeführt werden. Die Füße stehen nebeneinander, die Fersen berühren sich leicht. Der Abstand zwischen den Großzehengrundgelenken sollte etwa eine Zeigefingerbreite betragen. Aus dieser Ausgangsposition bewegt man die großen Zehen aufeinander zu, ohne die Position der Füße zu verändern. Diese Bewegung wird 15- bis 25-mal wiederholt, gefolgt von einer kurzen Pause, und dann in zwei weiteren Durchgängen fortgesetzt. Anfangs mag die Koordination dieser feinen Bewegungen schwierig sein, doch mit der Zeit wird es einfacher. Regelmäßiges Training hilft nicht nur, den großen Zeh zu begradigen und einem Hallux valgus entgegenzuwirken, sondern verbessert auch das allgemeine Fußgefühl und richtet das Längsgewölbe des Fußes auf.

Bei ersten Anzeichen einer Fehlstellung, wie dem Abweichen des Zehs, ist es ratsam, frühzeitig einen Orthopäden aufzusuchen. Eine rechtzeitige Diagnose ermöglicht die Erstellung eines individuellen Behandlungsplans, der die Entwicklung der Fehlstellung positiv beeinflussen kann, beispielsweise durch spezielle Fußgymnastik. Es ist wichtig zu wissen, dass selbst ein ausgeprägter Hallux valgus nicht immer Schmerzen oder Gehbeschwerden verursacht und eine Operation nicht zwangsläufig notwendig ist. Der ausschlaggebende Grund für einen chirurgischen Eingriff ist laut Galla der persönliche Leidensdruck und nicht die Fehlstellung allein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine familiäre Veranlagung für Hallux valgus zwar das Risiko erhöht, aber kein unabwendbares Schicksal darstellt. Durch bewusste Maßnahmen wie das Tragen passender Schuhe, regelmäßiges Barfußlaufen und gezielte Fußübungen kann man aktiv zur Gesunderhaltung seiner Füße beitragen. Bei ersten Symptomen ist eine frühzeitige ärztliche Beratung entscheidend, um den Verlauf optimal zu gestalten und die Lebensqualität zu erhalten.