16. Sept. 2026
Lateinamerika: Ein gefährliches Terrain für Umweltschützer
Lateinamerika bleibt der gefährlichste Ort für Umweltschützer. Im letzten Jahr wurden dort 105 der 124 weltweit registrierten Morde an Land- und Umweltschützern verzeichnet. Obwohl die weltweite Zahl der Todesfälle zurückgegangen ist, hat sich die Lage in Brasilien drastisch verschlechtert, wo die Anzahl der getöteten Umweltschützer um mehr als das Doppelte gestiegen ist. Die Mehrheit der Opfer sind Kleinbauern, Indigene und Menschen afrikanischer Abstammung. Konflikte um Land und natürliche Ressourcen, oft im Zusammenhang mit Bergbau, Rohstoffförderung und Landwirtschaft, sind die Hauptursachen für diese Gewalt. Expert:innen betonen die zentrale Rolle dieser Aktivist:innen als „Augen und Ohren der Welt vor Ort“, die Umweltzerstörung sichtbar machen.
Kolumbien führt weiterhin die traurige Statistik an, gefolgt von Brasilien, Honduras, den Philippinen, Mexiko und Guatemala. Organisierter Kriminalität und Auftragsmördern wird in vielen Fällen eine Beteiligung nachgesagt. Trotz des globalen Rückgangs der dokumentierten Tötungen – von 196 im Jahr 2024 auf 142 im Jahr 2025 – wird angenommen, dass die tatsächliche Anzahl der Fälle wesentlich höher ist. Angesichts dieser gefährlichen Umstände entwickeln betroffene Gemeinschaften eigene Schutzmaßnahmen, um ihre Gebiete zu sichern und sich gegen illegale Aktivitäten zu wehren.
Kolumbien: Spitzenreiter der Gewalt gegen Umweltschützer
Kolumbien ist weiterhin das Land mit den meisten getöteten Umweltschützern weltweit und hat diese traurige Statistik zum vierten Mal in Folge angeführt. Im letzten Jahr wurden dort 39 Umweltschützer ermordet. Dieser alarmierende Trend unterstreicht die anhaltend hohe Gefahr, der sich Menschen aussetzen, die sich für den Schutz ihrer natürlichen Umwelt und Landrechte einsetzen. Die Gewalt in Kolumbien ist oft tief in komplexen Landkonflikten verwurzelt, die durch die Interessen von Bergbau, Landwirtschaft und anderen Industrien verschärft werden. Die indigenen Gemeinschaften und Kleinbauern, die häufig an vorderster Front dieser Konflikte stehen, zahlen den höchsten Preis.
In Kolumbien ist die Situation besonders prekär, da die Landkonflikte oft mit der Präsenz bewaffneter Gruppen und organisierter Kriminalität verbunden sind. Diese Akteure sehen in den Umweltschützern ein Hindernis für ihre illegalen Aktivitäten, wie den illegalen Bergbau, die Abholzung von Wäldern und den Anbau illegaler Pflanzen. Die Morde an Umweltschützern bleiben in vielen Fällen ungestraft, was ein Klima der Straflosigkeit schafft und weitere Gewalt fördert. Die internationale Gemeinschaft und lokale Organisationen fordern dringend verstärkte Maßnahmen zum Schutz dieser gefährdeten Personen und zur Durchsetzung von Gesetzen, die ihre Rechte und die Umwelt schützen sollen.
Brasilien: Eskalation der Gewalt und Ursachen der Konflikte
In Brasilien hat sich die Zahl der Morde an Umweltschützern im vergangenen Jahr dramatisch erhöht, von 12 auf 26, was einer Verdopplung entspricht. Diese Eskalation der Gewalt ist hauptsächlich auf Forderungen nach der Anerkennung indigener Gebiete und Landreformen zurückzuführen. Die Bundesstaaten Rondônia und Pará sind besonders stark betroffen, da dort intensive Konflikte um Land zwischen Großgrundbesitzern, Agrarunternehmen und indigenen Gemeinschaften bestehen. Die Konzentration von Landbesitz in den Händen weniger Akteure und die Expansion von Viehzucht, Sojaanbau und Rohstoffabbau verschärfen diese Auseinandersetzungen, wodurch Umweltaktivist:innen und indigene Völker zu Hauptzielen werden.
Global Witness identifiziert die fortschreitende Erschließung riesiger Flächen für landwirtschaftliche und extraktive Industrien als wesentlichen Treiber dieser Konflikte. Diese Entwicklung führt zu Landraub, Einschüchterung und brutaler Gewalt gegen indigene Gemeinschaften und Kleinbauern, deren Landrechte oft nicht anerkannt oder ignoriert werden. Die Betroffenen versuchen, sich selbst zu schützen, wie das Beispiel der Kakataibo-Indigenen in Peru zeigt, die eigene Schutztruppen aufgestellt haben, um ihr Land vor organisierter Kriminalität und illegalem Koka-Anbau zu verteidigen. Diese Maßnahmen sind ein verzweifelter Versuch, inmitten einer immer gefährlicheren Lage das Überleben ihrer Gemeinschaften und den Schutz ihrer natürlichen Lebensräume zu sichern, wobei die nächste Generation mit noch größeren Herausforderungen konfrontiert ist.
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