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Verkehr

4. Sept. 2026

Von der Autobahn zum Wanderparadies: Die Verwandlung der Hörselberge

In Thüringen vollzieht sich in den Hörselbergen ein bemerkenswerter Wandel: Eine einstige Autobahntrasse wird zu einem Wanderparadies umgestaltet. Dort, wo einst unzählige Fahrzeuge rauschten, gedeihen nun Wildwuchs, Bienen und Schmetterlinge. Dieses ehrgeizige Projekt zielt darauf ab, die Region mit sieben neuen Premiumwanderwegen für Naturliebhaber und Erholungssuchende zu öffnen. Die Umwandlung ist nicht nur ein Gewinn für die Natur, sondern auch eine Bereicherung für die lokalen Gemeinschaften, die sich auf mehr Besucher freuen.

Die Hörselberge, östlich von Eisenach gelegen, erleben eine Metamorphose von einer vielbefahrenen Verkehrsader zu einem Refugium der Ruhe. Ein stillgelegter Abschnitt der Autobahn 4, der Anfang 2010 zurückgebaut wurde, dient als Herzstück dieser Entwicklung. Derzeit noch ein eher unwegsamer Pfad, soll er bald als „Premiumwanderweg 2“ mit blauen Hinweisschildern seine offizielle Eröffnung feiern. Schon jetzt zieht die sich selbst renaturierende Strecke mit ihrer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt – von Eisfaltern bis zu Wacholderbüschen – Wanderer in ihren Bann, die das Besondere abseits ausgetretener Pfade suchen. Das Rauschen der Motoren ist einem angenehmen Blätterrauschen und Vogelgezwitscher gewichen, während der gerade Verlauf der ehemaligen Fahrbahn an ihre frühere Funktion erinnert.

Die Geschichte der Autobahn in den Hörselbergen reicht bis in die späten 1930er Jahre zurück, als sie gebaut wurde, um Reisende zu den landschaftlichen Schönheiten der Wartburg und des Thüringer Waldes zu locken. Bernd Rether, Biologe bei der Station Thüringer Wald im Natura 2000-Schutzgebietsnetz, erklärt, dass die Verlegung der Trasse nach Norden nach der Wende aufgrund des stark gestiegenen Verkehrsaufkommens notwendig wurde. Diese Entscheidung wurde von Naturschützern und Anwohnern gleichermaßen begrüßt, da sie zu mehr Ruhe und besserer Luft führte. Kurt Schnorr, dessen Familie einst unfreiwillig Land für den Autobahnbau abtreten musste, erhielt nach dem Rückbau seinen Grundbesitz zurück. Trotz gewisser Enttäuschungen über die unvollständige Renaturierung befürwortet seine Familie das Wanderprojekt und engagiert sich aktiv, beispielsweise durch das Spenden von Sitzbänken für die Wanderwege.

Relikte der Vergangenheit, wie vermooste Betonschächte und steile Rampen ehemaliger Unterführungen, zeugen von der früheren Nutzung des Geländes. Diese Überbleibsel sind nicht nur Zeugen einer vergangenen Ära, sondern bieten auch ein einzigartiges Panorama für geschichtsbewusste Wanderer. Interessanterweise beherbergen Teile der ehemaligen Autobahn nun Rinderweiden, die Kurt Schnorr angelegt hat. Die Rinder spielen eine wichtige Rolle bei der Offenhaltung der Landschaft, da die Hörselberge ohne sie schnell vollständig bewaldet wären. Dieser Wechsel zwischen offenem Gelände, weiten Ausblicken und dem Naturerleben macht die Hörselberge zu einem attraktiven Wandergebiet, das unter der Koordination von Sylvia Grasreiner bis September 2027 weiterentwickelt wird.

Die Hörselberge, ein Höhenzug aus Muschelkalk mit den Gipfeln Kleiner (436 m) und Großer Hörselberg (484 m), sind nicht nur für ihre landschaftliche Schönheit, sondern auch für ihre reiche Sagenwelt bekannt. Legenden wie die um das „Jesusbrünnlein“ und Richard Wagners Inspiration für seine „Tannhäuser“-Oper tragen zur mystischen Atmosphäre bei. Das Projekt „Sagenhafte Hörselberge“ knüpft an diese Tradition an und verspricht, mit gut beschilderten Wegen und einer faszinierenden Geschichte ein unvergessliches Wandererlebnis zu bieten. Für die Anreise empfiehlt sich das Auto über die B 88 nach Wutha-Farnroda oder die A 4 bis Sättelstädt, alternativ ist auch die Anreise mit dem Zug möglich.