21. Sept. 2026
Mittelmeer: Eine beschleunigte Klimakrise unter der Oberfläche
Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung enthüllt eine besorgniserregende Entwicklung im Mittelmeer: Es wird immer schneller wärmer und salziger. Diese Veränderungen, die in manchen Bereichen wie der Adria besonders ausgeprägt sind, haben tiefgreifende Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme. Forschende warnen davor, dass dieser beschleunigte Wandel ein Alarmzeichen für die Weltmeere insgesamt sein könnte, und betonen die Dringlichkeit, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Die Forschungsergebnisse, veröffentlicht in den „Geophysical Research Letters“, basieren auf umfangreichen Temperatur- und Salzgehaltsmessungen aus den Jahren 1950 bis 2025. Diese Daten wurden durch Forschungsfahrten und den Einsatz spezieller Schwimmkörper gesammelt. Eine der überraschendsten Erkenntnisse ist, dass die Erwärmung und Versalzung des Mittelmeers nicht nur an der Oberfläche stattfindet, sondern bereits bis in große Tiefen messbare Auswirkungen zeigt. In den oberen 100 Metern des Mittelmeers wurde in den letzten Jahren eine Erwärmung von etwa zwei Grad im Vergleich zum Durchschnitt von 1950 bis 1999 festgestellt. Im August wurde vor Mallorca sogar eine Rekordtemperatur von 33,02 Grad gemessen, der höchste Wert, der jemals in spanischen Gewässern registriert wurde.
Besonders betroffen ist die Adria, der Teil des Mittelmeers, der sich zwischen der italienischen Halbinsel und dem Balkan erstreckt. Hier haben sich die Tiefengewässer seit dem Jahr 2000 etwa sechsmal schneller erwärmt als in anderen typischen Mittelmeerbecken. Dieser rasante Wandel ist besonders kritisch, da wärmeres Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen kann. In Teilen des Mittelmeers wurde bereits ein signifikanter Rückgang des Sauerstoffgehalts dokumentiert. Für Meereslebewesen, die versuchen, der Erwärmung zu entkommen, wird der Lebensraum knapp, da sich auch das Tiefenwasser erwärmt und die geografische Begrenzung des Meeres keine Ausweichmöglichkeiten nach Norden bietet.
Die Autorin der Studie, Elena Terzić vom Ruđer Bošković Institute in Zagreb, hebt hervor, dass das Mittelmeer als kleineres, schneller reagierendes Gewässer als Indikator für das dienen kann, was größeren Ozeanen bevorsteht. Sie bezeichnet die beobachteten Veränderungen als beispiellos und als „Warnung davor, wie schnell sich der Ozean verändern kann“. Die Ozeane haben historisch einen Großteil der menschengemachten Kohlendioxidemissionen und über 90 Prozent der durch Treibhausgase gebundenen Wärme absorbiert, wodurch das globale Klima milder gehalten wurde. Die aktuelle Entwicklung im Mittelmeer zeigt jedoch, dass diese Pufferfunktion an ihre Grenzen stößt und die Geschwindigkeit des Klimawandels möglicherweise unterschätzt wird.
Die Beschleunigungsraten der Erwärmung erreichen in den oberen 1.000 bis 2.000 Metern bis zu 0,3 Grad pro Jahrzehnt. Dies bedeutet, dass eine Erwärmungsrate, die beispielsweise in einem Jahrzehnt 0,1 Grad betrug, im nächsten Jahrzehnt auf 0,4 Grad und im darauffolgenden auf 0,7 Grad ansteigt. Auch der Salzgehalt nimmt zu, mit Raten von etwa einem Zehntel Gramm pro Kilogramm Wasser. Während die Kombination aus Erwärmung und Salzzuwachs die Dichte des Mittelmeerwassers insgesamt weniger stark verändert hat, führt die Erwärmung an der Oberfläche dazu, dass das Wasser leichter wird und sich weniger mit tieferen Schichten vermischt. In der Adria hingegen sorgt der Salzzuwachs dafür, dass das Wasser schwer genug bleibt, um abzusinken und somit Sauerstoff in die Tiefsee zu transportieren. Die Forscher betonen, dass es entscheidend ist zu analysieren, was diese Beschleunigung antreibt und ob aktuelle Klimamodelle diese Entwicklungen ausreichend abbilden.
Für den Menschen birgt das wärmer werdende Mittelmeer bereits jetzt konkrete Gefahren. Ein erhöhtes Risiko für heftige Stürme und sintflutartige Regenfälle im Herbst ist eine direkte Folge. Die enormen Mengen Wasser, die aus dem aufgeheizten Mittelmeer verdunsten, geben gigantische Mengen an Wärmeenergie an die bodennahen Luftschichten ab. Wenn im Herbst kalte Höhenluft auf diese feuchtwarme Luft trifft, kann dies zu explosiven Aufwärtsbewegungen und extremen Wetterereignissen führen. Der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus hatte bereits im August bekannt gegeben, dass die Weltmeere die höchsten Temperaturen seit Beginn der Messungen 1979 aufweisen. Diese Entwicklung erhöht die Risiken für Ökosysteme und Küstengemeinden und schwächt zudem die Fähigkeit der Ozeane, Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufzunehmen, was eine der wichtigsten natürlichen Bremsen gegen den Klimawandel beeinträchtigt.
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