3. Sept. 2026
Kraniche versammeln sich zum Herbstzug nach Süden
Tausende Kraniche versammeln sich im herbstlichen Deutschland, um sich auf ihren Flug in wärmere Gefilde vorzubereiten. Das sich ändernde Klima beeinflusst jedoch zunehmend ihr Verhalten, führt zu kürzeren Zugrouten und lässt immer mehr Vögel in Deutschland überwintern. Während dies einerseits als Erfolg für den Naturschutz gewertet werden kann, birgt es andererseits erhebliche Risiken für den Kranichnachwuchs.
Kraniche bereiten sich auf den großen Südzug vor
Im Frühherbst 2026, während Mauersegler, Schwarzmilane und Nachtigallen bereits ihre Reise gen Süden angetreten haben, beginnt sich das große Schauspiel des Kranichzuges in Deutschland zu entfalten. Ornithologe Günter Nowald berichtet von den ersten Ansammlungen der majestätischen Vögel an ihren Sammelplätzen im Nordosten Deutschlands.
Deutschland spielt eine zentrale Rolle für den europäischen Kranichzug. Mit über 13.000 Brutpaaren im Land und Rastplätzen, die bis zu 300.000 Tiere aus Skandinavien, Polen und dem Baltikum beherbergen, ist die Region von entscheidender Bedeutung. Insgesamt überqueren jährlich mehr als 400.000 Kraniche den deutschen Luftraum. Besonders die Boddenlandschaften am Darß, bei Stralsund und auf Rügen sowie das Rhin-Havelluch nördlich von Berlin sind für ihre beeindruckenden Ansammlungen bekannt, wo abends bis zu 70.000 Kraniche gezählt werden können.
Das Maximum der Rastzeiten wird in der ersten Oktoberhälfte erwartet, während der Hauptzug in Richtung Süden Ende Oktober einsetzt. Die genaue Startzeit ist dabei stark von den Windbedingungen abhängig, da Rückenwind den kräftezehrenden Flug erheblich erleichtert.
Klimawandel verkürzt Zugrouten der Kraniche
Einst zogen die meisten Kraniche bis auf die Iberische Halbinsel. Mittlerweile überwintern viele jedoch schon in Frankreich, und eine wachsende Anzahl bleibt sogar in Deutschland. Herr Nowald bemerkt, dass die durchschnittliche Zugdistanz beringter Kraniche, die vor 25 Jahren noch 1.700 Kilometer betrug, heute auf nur noch 500 Kilometer gesunken ist. Dies verdeutlicht, dass viele Kraniche keine Langstreckenzieher mehr sind.
Die Ursache für diese Veränderung liegt in den milder werdenden Wintern und dem zunehmenden Fehlen einer durchgängigen Schneedecke. Dadurch finden die Vögel auch in Deutschland genügend Nahrung auf den Feldern und müssen ihre anstrengende Reise nur noch bei plötzlichen, extremen Wetterumschwüngen antreten. Die gestiegenen Kranichbestände in Deutschland betrachtet Nowald als einen großen Erfolg für den Naturschutz.
Jedoch birgt der Klimawandel auch neue Gefahren: Von März bis Mai sind die Kraniche für die Brut auf feuchte Gebiete angewiesen, um ihre Nester auf erhöhten Stellen im Wasser zu bauen. Da die Niederschläge in den letzten Jahren jedoch im Frühjahr oft ausbleiben, sind die noch flugunfähigen Jungvögel schutzlos Fressfeinden wie Füchsen ausgeliefert. Da Kraniche sehr alt werden können (teilweise über 30 Jahre), werden die Auswirkungen eines verminderten Bruterfolgs erst nach längerer Zeit sichtbar.
Während des diesjährigen Kranichzuges werden bald Hunderttausende dieser imposanten Vögel in einer Flughöhe von 100 bis 400 Metern über Deutschland ziehen, begleitet von ihren lauten Rufen und dem Piepsen der Jungvögel, wie der Nabu-Ornithologe Bernd Petri berichtet. Petri weist darauf hin, dass die Vögel in allen Bundesländern beobachtet werden können, sofern geeignete Rastgebiete vorhanden sind. Er mahnt jedoch dazu, einen Abstand von mindestens 250 bis 300 Metern zu halten, da Kraniche sehr empfindlich auf Nähe reagieren.
Auch die Weißstörche bereiten sich auf ihren Flug in den Süden vor oder sind bereits aufgebrochen. Während die ostdeutschen Weißstörche traditionell die längere Ostroute über den Bosporus nach Afrika bevorzugen, lassen sich die in Richtung Gibraltar ziehenden Störche noch Zeit. Viele westliche Störche fliegen inzwischen nur noch bis Frankreich und Spanien, einige bleiben sogar ganzjährig in Deutschland – ein früher undenkbares Phänomen. Interessanterweise sind inzwischen auch Vögel aus dem Mittelmeerraum, wie Seidensänger und Zistensänger, dauerhaft in Deutschland anzutreffen und brüten hier.
Den Wandel des Vogelzuges verstehen und schützen
Die Beobachtung des Kranichzuges ist nicht nur ein beeindruckendes Naturschauspiel, sondern auch ein deutlicher Indikator für die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Tierwelt. Die Anpassungsfähigkeit der Kraniche, die kürzere Strecken zurückleisen oder in Deutschland überwintern, zeigt, wie ökologische Systeme auf globale Veränderungen reagieren. Gleichzeitig offenbart die Bedrohung des Kranichnachwuchses durch trockene Frühlinge die Fragilität dieser Anpassung. Es ist unsere Aufgabe, nicht nur die Schönheit dieses Phänomens zu bewundern, sondern auch die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Lebensräume und Brutbedingungen dieser und anderer Arten zu schützen. Der Erfolg im Naturschutz, der zu den gestiegenen Kranichbeständen geführt hat, sollte uns ermutigen, unsere Bemühungen fortzusetzen und zu intensivieren, um die langfristige Überleben der Zugvögel in einer sich verändernden Welt zu sichern.
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