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Gesundheitswesen

29. Sept. 2026

Gewalt gegen Notfallpersonal: Eine globale Krise im Gesundheitswesen

Diese internationale Analyse beleuchtet die erschütternde Realität der Gewalt, mit der sich Fachkräfte in Notaufnahmen und Rettungsdiensten weltweit konfrontiert sehen. Sie zeigt auf, dass diese Übergriffe nicht nur das Wohl des medizinischen Personals bedrohen, sondern auch die Effektivität der kritischen Notfallversorgung massiv beeinträchtigen.

Schutzlose Retter: Die stille Epidemie der Gewalt im Notdienst

Ein globales Problem: Gewalt im Notdienst nimmt alarmierende Ausmaße an

Berichte über Übergriffe auf medizinisches Personal in Notaufnahmen und Rettungsdiensten in Deutschland haben in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt. Doch eine neue internationale Untersuchung enthüllt, dass dies kein isoliertes Phänomen ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Gewalt gegen diese Berufsgruppe weltweit verbreitet ist und sich in den letzten Jahren sogar noch verstärkt hat. Mehr als drei Viertel der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr Formen der Gewalt erlebt zu haben. Besonders betroffen von psychischer Gewalt, wie verbalen Angriffen und sexueller Belästigung, sind Frauen.

Die weitreichenden Folgen von Gewalt im Arbeitsumfeld

Die Autoren der Studie, darunter Roberta Petrino vom Regionalspital in Lugano, betonen, dass solche Übergriffe nicht nur seelisches und körperliches Leid verursachen, sondern auch die Qualität der medizinischen Versorgung erheblich mindern. Der Notfallmediziner Luis Garcia Castrillo aus Santander, Mitautor der Untersuchung, die auf einem Notfallmedizin-Kongress präsentiert werden soll, unterstreicht, dass Gewalt am Arbeitsplatz die Leistungsfähigkeit des Personals massiv beeinträchtigt.

Gewalt als zweitgrößtes Berufsrisiko im Gesundheitswesen

Die Studie basiert auf den Erfahrungen von über 1.300 medizinischen Fachkräften aus 81 Ländern, wobei Deutschland, Frankreich, die Schweiz und die Ukraine besonders stark repräsentiert waren. Die Befragten berichteten am häufigsten von verbalen Aggressionen (88 Prozent), gefolgt von körperlicher Gewalt (42 Prozent), Sachbeschädigung (26 Prozent) und sexueller Belästigung (15 Prozent). Alarmierend ist, dass 4,5 Prozent der Teilnehmenden mit Waffen konfrontiert wurden und knapp 3 Prozent sogar mit Schusswaffen. Generell wird Gewalt nach Infektionen als zweitgrößtes Berufsrisiko eingeschätzt.

Verschlechterung der Situation und Ursachen der Aggression

Fast die Hälfte der Befragten (über 48 Prozent) stellte fest, dass sich die Gewaltsituation an ihrem Arbeitsplatz in den letzten fünf Jahren verschärft hat. Die Täter waren überwiegend die Patienten selbst (knapp 68 Prozent), oft aber auch deren Freunde oder Angehörige (44 Prozent). Ein beunruhigender Faktor ist, dass ein signifikanter Teil der gewalttätigen Personen unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand.

Forderung nach besserer Krankenhausorganisation

Die Analyse identifiziert auch strukturelle Ursachen für die Aggressionen, wie überfüllte Notaufnahmen und unzureichende Personalausstattung. Erstautorin Petrino erklärt: „Lange Wartezeiten, begrenzte Ressourcen und hoher emotionaler Stress lassen die Spannungen bei Patienten, Angehörigen und medizinischem Personal eskalieren.“ Sie fordert organisatorische Maßnahmen zur Verbesserung der internen Krankenhausabläufe, um Überfüllung zu reduzieren und eine angemessene Personalausstattung sowie einen effizienteren Patientenfluss sicherzustellen.

Mangelnde Prävention und Unterstützung

Ein weiteres Defizit ist der unzureichende Schutz und die mangelnde Unterstützung für das Personal: Nur etwa die Hälfte der Teilnehmenden hatte ein Training zur Gewaltprävention absolviert, und lediglich 57 Prozent der Betroffenen erhielten nach Gewalterfahrungen psychosoziale Unterstützung. Das Forschungsteam weist darauf hin, dass die Daten auf einer freiwilligen Teilnahme beruhen und daher möglicherweise nicht vollständig repräsentativ sind, da viele Fragebögen aufgrund fehlender Daten nicht berücksichtigt werden konnten.