8. Juni 2026
Fünf Übungen zur Stärkung der Konfliktfähigkeit
Das Vermeiden von Konflikten, sei es aus Unlust oder Unvermögen, kann in zwischenmenschlichen Beziehungen und am Arbeitsplatz gravierende Folgen haben. Wer Auseinandersetzungen scheut, riskiert oft, dass sich Probleme nicht nur verschlimmern, sondern auch tief sitzenden Frust hervorrufen, der sich dann umso heftiger entladen kann. Doch es gibt Wege, die eigene Konfliktfähigkeit zu trainieren und zu stärken. Konfliktforscher Friedrich Glasl hat hierzu hilfreiche Tipps und Übungen entwickelt, die Menschen dabei unterstützen, mutiger und konstruktiver mit Meinungsverschiedenheiten umzugehen.
Fünf Schritte zu mehr Konfliktbereitschaft: Praktische Übungen für den Alltag
Am 8. Juni 2026, um 09:15 Uhr, wurden wichtige Strategien zur Bewältigung von Konfliktscheu vorgestellt, die auf den Erkenntnissen von Konfliktforscher Friedrich Glasl basieren. Diese fünf Übungen sollen helfen, die eigene Konfliktfähigkeit zu verbessern und aktiv Auseinandersetzungen zu begegnen, statt sie zu meiden.
I. Klären Sie Ihre Befürchtungen!
Denken Sie darüber nach, was wirklich passieren würde, wenn Sie ausnahmsweise nicht schweigen. Notieren Sie alle Ihre Bedenken. Oft sind es nur unbegründete Annahmen, die Sie davon abhalten, Ihre Meinung zu äußern und notwendige Gespräche zu führen.
II. Suchen Sie nach Rückmeldungen!
Üben Sie mit einer vertrauten Person, die die Rolle eines Gesprächspartners übernimmt, vor dem Sie normalerweise konfliktscheu wären. Sprechen Sie alles aus, was Sie sich sonst nicht trauen würden. Fragen Sie anschließend, wie Ihr Auftreten wahrgenommen wurde. Dies hilft Ihnen, Ihre Wirkung auf andere besser einzuschätzen.
III. Entfesseln Sie Ihren inneren „Streithahn“!
Stellen Sie zwei Stühle gegenüber. Setzen Sie sich auf den einen, wenn Sie die streitlustige Person sind, und auf den anderen, wenn Sie die konfliktscheue Person darstellen. Wechseln Sie zwischen den Stühlen, um Argumente und Gegenargumente auszutauschen. Dieser Perspektivwechsel hilft, Distanz zu den eigenen festgefahrenen Haltungen zu gewinnen und neue Lösungsansätze zu finden.
IV. Vertreten Sie Ihre eigenen Interessen!
Viele Menschen können sich gut für andere einsetzen, tun sich aber schwer, die eigenen Interessen zu vertreten. Wenn es Ihnen schwerfällt, Ihr eigener Anwalt zu sein, versuchen Sie in einem Rollenspiel, einen anderen Namen für sich zu verwenden. Dies kann Ihnen helfen, eine neue Rolle einzunehmen und selbstbewusster aufzutreten.
V. Trainieren Sie die Früherkennung von Stressreaktionen!
In Stresssituationen reagiert jeder Mensch mit einer der drei grundlegenden Tendenzen: Kampf (fight), Flucht (flight) oder Erstarrung (freeze). Finden Sie heraus, welche dieser Tendenzen bei Ihnen in welchen Situationen dominiert und welche körperlichen Anzeichen wie Herzklopfen, Atemnot oder Verspannungen damit verbunden sind. Je früher Sie erkennen, wann Sie in den Fluchtmodus schalten, desto leichter können Sie bewusst gegensteuern und eine konstruktivere Reaktion wählen.
Die Erkenntnis, dass das Meiden von Konflikten oft mehr Schaden anrichtet als der Streit selbst, ist ein wichtiger erster Schritt. Die vorgestellten Übungen bieten einen praktischen Weg, um die eigene Konfliktkompetenz zu stärken. Es geht nicht darum, aggressiv zu werden, sondern darum, die Angst vor Auseinandersetzungen zu überwinden und konstruktiv für die eigenen Bedürfnisse und Meinungen einzustehen. Wer lernt, seine Komfortzone zu verlassen und offene Gespräche zu führen, wird nicht nur persönliche Beziehungen verbessern, sondern auch am Arbeitsplatz effektiver kommunizieren können. Letztendlich fördert eine gesunde Streitkultur das gegenseitige Verständnis und führt zu nachhaltigeren Lösungen.
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