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Gesundheitswesen

2. Okt. 2026

Den Zuckerkonsum reduzieren: Strategien gegen Heißhunger auf Süßes

Das tägliche Verlangen nach Süßem, sei es eine Limonade oder Gummibärchen, wird oft als „Zuckersucht“ abgetan. Doch Ernährungswissenschaftlerin Heike Niemeier erklärt, dass hinter diesem Drang häufig mehr steckt als bloße Abhängigkeit. Oft sind es unregelmäßige Mahlzeiten, fehlende Proteine oder emotionale Muster, die unseren Körper nach schnellem Zucker rufen lassen. Es gibt jedoch wirksame Methoden, diese Gelüste zu kontrollieren und einen gesünderen Umgang mit Süßem zu entwickeln.

Frau Niemeier weist darauf hin, dass unser Gehirn auf Zucker ähnlich wie auf eine Droge reagieren kann. Dennoch betont sie, dass das Konzept der reinen „Zuckersucht“ oft eine zu einfache Erklärung ist. Vielmehr sind es spezifische Auslöser, die unser Verlangen nach Süßem immer wieder anfachen. Diese Auslöser lassen sich durch gezielte Veränderungen in unserem Alltag oft minimieren.

Ein wesentlicher Faktor sind unregelmäßige Essenszeiten. Wenn zwischen den Mahlzeiten zu viel Zeit vergeht, sinkt der Blutzuckerspiegel drastisch ab. Der Körper reagiert darauf mit einem intensiven Verlangen nach zuckerhaltigen Produkten, da diese schnell Energie liefern. Um dem vorzubeugen, empfiehlt Niemeier, alle vier bis sechs Stunden eine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Dabei ist nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Zusammensetzung der Mahlzeiten entscheidend.

Proteine spielen eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Blutzuckerspiegels und sorgen für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl. Nimmt man beispielsweise Nudeln mit Tomatensoße und einem kleinen Salat zu sich, die hauptsächlich aus schnell verdaulichen Kohlenhydraten bestehen, kann der Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und ebenso schnell wieder abfallen, was wiederum zu Heißhunger führt. Eine proteinreichere Variante, wie Bolognese-Soße mit Vollkornpasta und einem Salat, der mit Thunfisch oder Feta angereichert ist, hält länger satt und beugt Heißhungerattacken vor.

Neben physiologischen Ursachen spielen auch psychologische Aspekte eine große Rolle. Zucker aktiviert Belohnungssysteme im Gehirn, wodurch wir ihn oft als Trost oder Belohnung einsetzen – beispielsweise nach einem stressigen Tag. Niemeier schlägt vor, Alternativen für den emotionalen Umgang zu finden, wie Spaziergänge, kreative Beschäftigungen oder Gespräche, um die Seele zu beruhigen. Das Umstellen alter Gewohnheiten erfordert jedoch Zeit und Übung.

Beim Reduzieren des Zuckerkonsums, etwa bei Softdrinks, gibt es verschiedene Ansätze. Der „Alles-oder-nichts“-Typ beendet den Konsum abrupt, was jedoch das Risiko birgt, dass strikte Verbote das Verlangen verstärken. Hier rät Niemeier zu einem moderaten Ansatz, bei dem gelegentliche Ausnahmen erlaubt sind. Für den „Schritt-für-Schritt“-Typ ist es sinnvoller, den Konsum langsam zu reduzieren, beispielsweise die Menge an Cola schrittweise zu verringern, um das langfristige Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Als Zwischenschritt bei Softdrinks können auch Varianten mit Süßstoff in Betracht gezogen werden, da diese den massiven Zuckerkonsum reduzieren. Langfristig ist es jedoch Ziel, die allgemeine Lust auf Süße zu verringern, da sowohl zuckerhaltige als auch süßstoffgesüßte Getränke dazu führen können, dass wir weniger nahrhafte Lebensmittel zu uns nehmen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Proteinen und Vielfalt bildet die beste Grundlage. Gelegentlicher Konsum von Süßem ist dann unproblematisch, solange die Basis stimmt.