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Natur

2. Nov. 2026

Bonobo-Weibchen führen die Jagd an: Eine Studie zeigt ihren Erfolg, auch mit Nachwuchs

Diese umfassende Analyse beleuchtet die faszinierenden Jagdstrategien der Bonobos, wobei ein besonderer Fokus auf der dominanten Rolle der Weibchen liegt. Es wird untersucht, wie diese Erkenntnisse unser Verständnis der Geschlechterrollen in der Evolution und im Tierreich verändern können.

Bonobo-Weibchen: Die unangefochtenen Jägerinnen der Wildnis – Stärker, geschickter, erfolgreicher.

Die traditionelle Sichtweise der Jagd in der Evolution und ihre Infragestellung durch neue Erkenntnisse bei Bonobos

In der Vergangenheit wurde die Jagd in der menschlichen Evolution oft als eine Domäne der Männer betrachtet, eine Annahme, die teilweise auf dem Verhalten unserer nächsten Verwandten, den Schimpansen, basierte. Bei Schimpansen übernehmen Männchen führende Rollen im sozialen Gefüge und bei der Jagd, wobei sie oft in koordinierten Gruppen agieren, um Beute zu erlegen und das Fleisch zu teilen. Diese Beobachtungen prägten lange Zeit unser Bild von den Geschlechterrollen in der frühen Menschheitsgeschichte. Doch eine aktuelle Studie über Bonobos, die ebenfalls eng mit uns verwandt sind, stellt diese traditionelle Sichtweise infrage. Bei Bonobos haben oft die Weibchen eine dominante Stellung, sie bestimmen Paarungszeiten und kontrollieren die Verteilung von Nahrung. Forscher des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie untersuchten über ein Jahrzehnt lang zwei wilde Bonobo-Gemeinschaften in der Demokratischen Republik Kongo und dokumentierten dabei 415 Jagdereignisse, um herauszufinden, ob sich die soziale Stellung der Weibchen auch in ihrem Jagdverhalten widerspiegelt.

Die überraschende Dominanz weiblicher Bonobos bei der Jagd und ihre Risikobereitschaft

Die Ergebnisse der Langzeitstudie widerlegen die Vorstellung, dass die Jagd eine reine Männerdomäne ist. In 60 Prozent der beobachteten Jagden waren es weibliche Bonobos, die die Jagd initiierten und die Beute erlegten. Bemerkenswert ist, dass auch Weibchen mit Nachwuchs hohe Risiken eingingen. Dr. Gottfried Hohmann, der Erstautor der Studie, betonte, dass junge Weibchen Affen in Baumkronen verfolgen, die sich wehren können, was eine gefährliche Unternehmung darstellt. Während Baumbewohner wie der Rote Stummelaffe von beiden Geschlechtern gleichermaßen gejagt wurden, zeigten ältere Weibchen eine überlegene Fähigkeit bei der Jagd auf größere Huftiere am Waldboden. Sie erlegten diese dreimal so häufig wie Männchen und behielten anschließend die Kontrolle über die Beute, was ihre Dominanz unterstreicht. Die Forscher vermuten, dass männliche Bonobos möglicherweise größere Beute meiden, um Konflikte mit den Weibchen zu vermeiden, was darauf hindeutet, dass die soziale Stellung der Weibchen ein Schlüssel zu ihrem Jagderfolg sein könnte.

Regionale Jagdpräferenzen und die Bedeutung lokaler Traditionen bei Bonobo-Gemeinschaften

Die Studie offenbarte nicht nur Geschlechterunterschiede im Jagdverhalten, sondern auch signifikante Unterschiede zwischen den beiden beobachteten Bonobo-Gemeinschaften. Obwohl beiden Gruppen dieselben Beutetiere zur Verfügung standen, spezialisierte sich eine Gruppe vorwiegend auf bodenlebende Säugetiere, während die andere primär Primaten jagte. Dies deutet darauf hin, dass lokale Traditionen und kulturelle Übertragungen eine wesentliche Rolle bei der Ausprägung des Jagdverhaltens spielen. Die Forscher planen, diese regionalen Unterschiede weiter zu erforschen, um zu verstehen, wie sie entstehen und sich im Laufe der Zeit entwickeln. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um die Komplexität der Bonobo-Gesellschaften und die Anpassungsfähigkeit ihres Verhaltens besser zu begreifen.

Neubewertung der Geschlechterrollen in der Evolution: Was Bonobos uns über unsere Vorfahren lehren

Die Ergebnisse dieser Studie über Bonobos zwingen uns dazu, unser Bild von den Jagd- und Sammelgesellschaften unserer Vorfahren neu zu bewerten. Prof. Barbara Fruth, die leitende Autorin, betont, dass diese Erkenntnisse ein neues Licht auf die Entwicklung des Jagdverhaltens vor 5 bis 7 Millionen Jahren werfen, als der letzte gemeinsame Vorfahre von Schimpansen, Bonobos und Menschen lebte. Die Bonobos zeigen, dass die von Männchen dominierte Jagd bei Menschenaffen nicht das einzige Modell ist und dass eine Rollenverteilung bei unseren Vorfahren nicht allein vom Verhalten der Schimpansen abgeleitet werden kann. Diese Einsicht wird durch weitere Forschungen gestützt, die darauf hindeuten, dass die Vorstellung vom Mann als alleiniger Jäger überholt ist. Skelettanalysen liefern beispielsweise Hinweise darauf, dass auch Frauen in der Altsteinzeit regelmäßig Speere warfen und aktiv an der Jagd beteiligt waren. Die Bonobos tragen somit dazu bei, ein umfassenderes und nuancierteres Verständnis der Geschlechterrollen in der menschlichen Evolution zu entwickeln, das die Komplexität und Vielfalt der Verhaltensweisen unserer gemeinsamen Vorfahren widerspiegelt.